Die FDP-Generalsekretärin Nicole Büttner gab der „Schwäbischen Zeitung“ (Donnerstag-Ausgabe) und „schwaebische.de“ das folgende Interview. Die Fragen stellte Robin Halle:

Frage: Frau Büttner, Umfragen sehen die FDP in Baden-Württemberg bei fünf Prozent. Würden Sie darauf wetten, dass Ihre Partei wieder in den Landtag einzieht?

Büttner: Ich bin sicher, dass wir es schaffen. Ganz sicher.

Frage: Dann können Sie ja wetten.

Büttner: Um was denn?

Frage: Das müssen Sie sagen. Es muss aber wehtun, wenn Sie die Wette verlieren.

Büttner: Wehtun? Okay. Ich liebe meine Haare. Ich rasiere mir eine Glatze, wenn wir den Einzug in den Landtag verpassen. Alles weg. Radikal.

Frage: Die Wette gilt?

Büttner: Ja. Aber Sie werden mich niemals mit Glatze erleben. Weil wir sicher in den Landtag einziehen. Wir haben in den vergangenen Jahren von Wahlprognose bis Wahlergebnis immer zugelegt. Unser Spitzenkandidat Uli Rülke beweist jeden Tag, dass es die FDP ernst meint. Wir wollen Regierungsverantwortung übernehmen, um einen echten Politikwechsel in Baden-Württemberg zu gestalten.

Frage: In aktuellen Umfragen rangiert die CDU bei 30 Prozent, die Grünen bei 20. Vieles deutet auf eine schwarz-grün regierte Landesregierung unter der Führung von Manuel Hagel. Wie kommen Sie darauf, dass die FDP Regierungsverantwortung übernehmen könnte?

Büttner: Das Spielfeld ist völlig offen. Die Menschen erkennen, dass die regierenden Parteien in der vergangenen Legislatur nichts maßgeblich geändert haben. Die großen Probleme im Leben der Menschen wurden nicht angegangen. Deshalb vermissen viele die Stimme der Liberalen in der Regierung. Es ist unser Auftrag, diese Unzufriedenheit in Wählerstimmen zu übersetzen und Lösungen zu entwickeln.

Frage: Das beantwortet nicht die Frage nach einer möglichen Regierungsbeteiligung.

Büttner: Doch. Ich bin fest überzeugt, dass wir bis zur Wahl deutlich zulegen. Dann sprechen wir bei der Regierungsbildung über ein Wahlergebnis, nicht über Prognosen.

Frage: Das heißt, Sie schielen in Richtung acht, neun, zehn Prozent?

Büttner: Auf jeden Fall. Ich gehe fest davon aus, dass wir mehr als acht Prozent in Baden-Württemberg holen.

Frage: Das funktioniert nur mit gangbaren Inhalten. Welche Position unterscheidet die FDP in Baden-Württemberg fundamental von der CDU?

Büttner: Konsequenter Bürokratieabbau. Wir haben ein fertiges Konzept in der Schublade. Wir möchten drei Verwaltungsebenen statt fünf. Wir wollen Dinge vereinfachen und verschlanken. Da tut sich die CDU deutlich schwerer. Mit uns in der Regierung können wir die nötige Verwaltungsreform sofort angehen.

Frage: Wo liegt der Hauptunterschied gegenüber den Positionen von Grünen und SPD?

Büttner: In der Bildungspolitik. Wir wollen für wirklich messbare Verbesserungen bei der Bildungsqualität sorgen – und den Lehrermangel, den Investitionsstau und die Gleichmacherei in der Bildungspolitik bekämpfen. Wir wollen junge Menschen bestmöglich für die Zukunft rüsten und ideale Startbedingungen schaffen.

Frage: Mit Verlaub: Das klingt sehr allgemein.

Büttner: Dann gerne konkret: Wir wollen doppelt so viel Geld in Grundschulen investieren wie bisher! Im Leben entscheidet sich sehr früh, wohin der spätere Weg führt. Bildung ist der Schlüssel! Wir werden auch ernsthaft der Frage nachgehen, warum in Baden-Württemberg 2500 Lehrer fehlen, die die Landesregierung scheinbar nicht vermisst. Auf diese wichtige Frage habe ich bis heute keine plausible Antwort bekommen. Das geht einfach nicht! Bei der Frage nach sozialer Gerechtigkeit ist Bildung eine der entscheidenden Stellschrauben, an der aber im Land wie im Bund kaum gedreht wird. Wir haben jedoch keine Probleme, SPDler in die Schranken zu weisen, was sozialpolitische Themen angeht. Das scheint Herrn Merz sehr schwer zu fallen.

Frage: Lassen Sie uns in Baden-Württemberg bleiben. Wenn Sie die Spitzenkandidaten betrachten, Ihren Parteifreund Hans-Ulrich Rülke (FDP) mal ausgenommen. Wem trauen Sie fachlich am ehesten zu, das Land als Ministerpräsident zu führen: Manuel Hagel (CDU), Cem Özdemir (Grüne), Andreas Stoch (SPD), Markus Fronmaier (AfD) oder Kim Sophie Bohnen (Linke)?

Büttner: Herrn Hagel. Er schaut ernsthaft, welche Lösungen zu einem Politikwechsel in Baden-Württemberg führen. Er hat verstanden, dass es diesen Wechsel geben muss. Weil die Menschen unzufrieden sind. Weil die Konjunktur leidet. Weil Baden-Württemberg einfach mehr verdient hat. Für die nötigen Veränderungen braucht es aber die Energie und Ideen der Liberalen.

Frage: Wer wäre für das Amt – aus Ihrer Sicht – am schlechtesten geeignet?

Büttner: Herr Fronmaier. Ich kann bei ihm keine Konzepte erkennen. Offen gesagt: Er motzt nur, statt Dinge ernsthaft verändern zu wollen.

Frage: Sie treten als neue Generalsekretärin ziemlich selbstbewusst auf. Ist das gewollt, nachdem Ihr Vorgänger Marco Buschmann relativ blass blieb?

Büttner: Es geht nicht um mich. Es geht um die Neuausrichtung der FDP als Zukunftspartei für Aufstieg, Wohlstand und Freiheit. Es geht um die zentralen Themen unserer Partei: Steuervereinfachung, Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung, Abbau von Berichtspflichten und Formularen, zukunftsweisende Bildung, die Einführung einer Kapitaldeckung in den Sozialsystemen – dafür steht die neue FDP.

Frage: Der Abbau von Berichtspflichten und Formularen ist doch seit jeher ein Thema der FDP. Was ist neu daran?

Büttner: Die Radikalität in der Umsetzung, wenn wir Regierungsverantwortung in Baden-Württemberg tragen. Herr Rülke hat kürzlich gefragt: Was würde eigentlich passieren, wenn wir den Großteil der Dokumentationspflichten in der Wirtschaft abschaffen? Schauen wir doch mal, was dann passiert. Ich glaube: Das Land würde keinen Schaden nehmen, die Wirtschaft und Bürger könnten aufatmen. Deshalb sage ich: Nicht ständig reden, sondern machen! Das ist unsere Botschaft an Baden-Württemberg: Machen!

Frage: Und wenn es nicht klappt mit dem „Machen“, sehen wir Sie im März mit Glatze …

Büttner: Wie gesagt: Sie erleben mich am Wahlabend strahlend und mit voller Haarpracht. Ich bin fest davon überzeugt, dass ich in jede Kamera sagen werde: „Von dieser Wahl in Baden-Württemberg geht ein wichtiges Signal nach Deutschland! Die Botschaft der Wählerinnen und Wähler ist eindeutig: Es braucht eine liberale Stimme in der Politik!“ Aber, ja: Falls ich mich täusche, sehen Sie mich im Frühjahr mit einer Glatze. Sie können mich an meinen Taten messen. Ebenso wie meine Partei.

Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Dürr gab der „Rhein-Neckar-Zeitung“ (Freitag-Ausgabe) und „rnz.de“ das folgende Interview. Die Fragen stellte Klaus Welzel:

Frage: Zur selben Zeit wird gerade die Parteichefin der Grünen von uns interviewt. Was hätten Sie Frau Brantner zu sagen als FDP-Chef?

Dürr: Alle Parteien müssen sich selbst hinterfragen und kritisch hinterfragen, für was sie stehen und ob sie wirklich noch für Aufbruch stehen in Deutschland. Die letzte Bundestagswahl hat eines gezeigt: Die Menschen sind enttäuscht von der Mitte gewesen. Das war der Grund, warum ich meiner Partei auch verordnet habe, sehr kritisch auf die eigene Verantwortung zurückzublicken. Und meine Konsequenz ist, dass die FDP der Gegenentwurf zum Status quo im Land sein wird. Und ich glaube, das täte auch anderen gut.

Frage: Ihre Partei hat eine Zusammenarbeit mit den Grünen beim Dreikönigstreffen beinahe ausgeschlossen. Ohne die Grünen wird es jedoch schwer. Ein Zweierbündnis ist aus FDP-Sicht unwahrscheinlich. Was bringen dann solche Beschlüsse?

Dürr: Damit in Baden-Württemberg ein Kurswechsel gelingt, ist sicherlich ein Bündnis aus FDP und CDU wünschenswert, gegebenenfalls eine Deutschlandkoalition. Aber eins ist doch klar: Die letzten Jahre einer grün-geführten Landesregierung, auch gemeinsam mit den Christdemokraten, haben Spuren im Land hinterlassen. Baden-Württemberg, ein Powerhouse mit großartigen mittelständischen Unternehmen und auch großen Weltmarktführern, fällt wirtschaftlich dramatisch zurück. Nicht nur in Deutschland, sondern auch international. Und jetzt ist es notwendiger denn je, gegenzusteuern und Akzente zu setzen. Genau das tut die FDP mit Hans-Ulrich Rülke, der das Land wirklich modernisieren will – indem sogar ganze Verwaltungsebenen abgeschafft werden sollen, um diesem Land wieder die Möglichkeit zu geben, durchzustarten.

Frage: Was meinen Sie eigentlich mit „Status-Quo-Parteien“?  Das erinnert mich ein bisschen an den Begriff „Altparteien“, mit dem die AfD Stimmung macht.

Dürr: Also, die Menschen macht es doch rasend, dass egal wen man wählt, sich nichts ändert…

Frage: … Aber das ist doch ein Zeichen von Demokratie. Und es stimmt auch nicht, dass sich nichts ändert.

Dürr: Das Einzige, was sich leider im letzten Jahr geändert hat, ist, dass es unendlich viel mehr Schulden gibt. Ansonsten stecken wir fest in der Sackgasse. Wenn ich sage „Status-Quo-Parteien“, dann meine ich SPD, Grüne und Union. Das sieht man an der schwarz-roten Bundesregierung in Berlin. Da werden nur Schulden gemacht, aber keine Reformpolitik auf den Weg gebracht. Und genau dazu will ich als Vorsitzender der FDP der Gegenentwurf sein. Das Festhalten am Status quo ist der Grund, warum Extremisten aus der letzten Bundestagswahl gestärkt hervorgegangen sind. Nicht, weil die Menschen extremistisch geworden sind, das halte ich für Quatsch, sondern weil sie massiv enttäuscht sind von den Parteien, die nichts ändern.

Frage: Was glauben Sie, hat denn die FDP falsch gemacht innerhalb der Ampelkoalition?

Dürr: Im Nachhinein war es ein Fehler, in einer Koalition keine ausreichenden Reformprojekte vereinbart zu haben.

Frage: Sie waren ja in der Verhandlungsgruppe dabei. Wurde das dann sozusagen rausgenommen, damit es einfacher ist, zum Abschluss zu kommen?

Dürr: Im Oktober und November 2021 war ja die Hoffnung, dass es nach der Corona-Krise wirtschaftlich wieder nach vorne geht in Deutschland. In Wahrheit waren aber die Strukturprobleme schon größer. Man dachte zunächst, es besteht mehr Zeit, Reformen auf den Weg zu bringen. Aber spätestens mit dem Kriegsausbruch in der Ukraine, mit der Energiekrise und mit der Wirtschaftskrise war klar: Jetzt muss sich etwas Dramatisches ändern im Land. Und dann hatten wir den Vorschlag gemacht, den Koalitionsvertrag neu zu verhandeln. Das ist leider damals von Grünen und SPD abgelehnt worden.

Frage: Etwas, das sich unter FDP-Führung ändern sollte, wäre Ihr Vorstoß, alle Gesetze, die ab dem Jahr 2000 beschlossen wurden, zu prüfen und gegebenenfalls abzuschaffen. Wie viele Gesetze könnten das denn sein?

Dürr: In Sonntagsreden wird über Bürokratieabbau und Deregulierung gesprochen. Und montags bis freitags passiert gar nichts. Deswegen mache ich folgenden Vorschlag: Am Anfang einer Wahlperiode vereinbart man sich, dass alle Gesetze, die ab dem Jahr 2000 beschlossen worden sind, zum Ende der Wahlperiode auslaufen. Und dann hat man diese vier Jahre Zeit, die Gesetze, die man vielleicht doch noch braucht, wieder zu beschließen.

Frage: Das ist kaum durchführbar.

Dürr: Doch. Im Zweifelsfall sage ich, ich verzichte lieber auf ein paar gute Gesetze, aber habe zugleich den ganzen Quatsch beseitigt, der es Unternehmen schwierig macht, in Deutschland zu investieren, der dazu führt, dass wir im Dickicht ersticken und geradezu keine wirtschaftliche Dynamik mehr haben. Seit 2000 sind in Deutschland viele, viele Regeln beschlossen worden, die das Leben der Menschen schwerer machen, die aber auch das Leben der Unternehmen schwerer machen und weswegen keine neuen Arbeitsplätze entstehen.

Frage: Also, wir haben aktuell ungefähr 1800 Gesetze. In der Regierungszeit von Frau Merkel wurden 1694 Gesetze beschlossen…

Dürr: … Das sind ja auch oft Gesetze, die bestehende Gesetzte ändern.

Frage: Ich hätte jetzt ein Problem, wenn Sie so vorgehen würden. Das wären ja fast alle Gesetze.

Dürr: Das meiste, was in den letzten Jahren beschlossen wurde, sind sogenannte Artikelgesetze, das heißt Gesetze, die bestehende Gesetze geändert haben. Aber gerade in den 2010er Jahren nahmen Bürokratie und Regeln immer mehr zu. Nehmen Sie das Lieferkettengesetz, was in dieser Zeit beschlossen worden ist im Deutschen Bundestag, nämlich 2021 — noch von der Regierung Merkel und ihrer schwarz-roten Bundesregierung. Das wäre eines, was gestrichen würde. Und man kann die Liste fortsetzen.

Frage: Es gibt aber auch Verpflichtungen durch die EU. Gerade das Lieferkettengesetz ist ja ein EU-Vorhaben gewesen.

Dürr: Genau da erwarte ich mehr Aktivität von einer Bundesregierung. Die Union ist zurzeit eine mächtige Partei. Sie stellt den Bundeskanzler, sie stellt die Präsidentin der Europäischen Kommission und den Fraktionsvorsitzenden der größten Fraktion im Europäischen Parlament. Wenn die drei zusammenarbeiten würden, könnte man wirklich was reißen. Aber es passiert gar nichts. Stattdessen immer nur Verbote. Warum soll man allen Menschen eigentlich das Verbrennungsauto verbieten? Darin sehe ich keinen Sinn.

Frage: Das entscheidet ja neben der Politik gerade der Markt.

Dürr: Das kann so sein. Das will ich gar nicht ausschließen. Aber warum braucht man dann das Verbot?

Frage: Der Markt entwickelt sich so, weil das Verbot am Horizont steht. Die Betriebsratschefin von VW argumentierte 2023: Um Gottes Willen, kein Aus vom Verbrenner aus, weil wir unsere ganzen Fabriken umgerüstet haben. Und so hat das am Horizont stehende Verbot einen Prozess ausgelöst, an dessen Ende die flächendeckende Elektromobilität stehen wird.

Dürr: Ich widerspreche heftig, übrigens auch die Automobilindustrie mittlerweile, der Verband der Automobilindustrie, auch die Gewerkschaften, sogar die IG Metall hat jetzt eine andere Auffassung. Sie merken, dass es eine Sackgasse war. Der Ansatz, dass der Staat eine Technologie vorgibt, der wir alle folgen, kann nicht funktionieren. Ganz offen, das erinnert mich an Sozialismus. Genauso war es in der DDR. Das endet in einer Situation, in der der Wohlstand der Menschen im Land vor die Hunde geht.

Frage: Sie vernachlässigen den Umweltaspekt.

Dürr: Das Gegenteil ist richtig. Ich sage ein ganz konkretes Beispiel, wo wir mehr Klimaschutz in der letzten Regierung sogar gegen die Grünen durchgesetzt haben: In der Vergangenheit war es in Deutschland verboten, man muss sich das einmal vorstellen, es war verboten, einen klimaneutralen Dieselkraftstoff an Tankstellen zu verkaufen. Den gab es nämlich schon längst. Der war verboten. Wissen Sie mit welcher Begründung der verboten war? Weil es eine Konkurrenz gegen die Elektromobilität sein könnte. Ich habe selbst in der Ampel durchgesetzt, dass dieser Kraftstoff an Tankstellen verkauft werden darf. Heute können Sie diesen klimaneutralen Kraftstoff, der HVO100 heißt, an Tankstellen in Deutschland tanken.

Frage: Man könnte auch sagen, der Staat macht Vorgaben, die Industrie folgt diesen Leitplanken und macht das Beste daraus.

Dürr: Deutschland diskutiert in Verboten. Und auf der internationalen Ebene redet man über marktwirtschaftliche Instrumente. Gerade in der Klimapolitik können wir mit dem Emissionshandel Klimaschutz verlässlich erreichen. Statt teuren Klimaschutz mit wenig Wirkung, brauchen wir den günstigsten Klimaschutz, dafür mit bester Wirkung. Ich wäre im Übrigen auch für ein Verbot der Verbote.

Frage: Also ich bin schon froh, dass es verboten ist, bei Rot über die Ampel zu gehen. Das macht den Verkehr sicherer.

Dürr: Das ist ja auch kein technologisches Verbot…

Frage: …und dennoch ein Gesetz. Wir gehen noch einen kleinen Schwenk in die Außenpolitik. Ich würde von Ihnen gerne wissen, wie sich Ihrer Meinung nach die Bundesregierung im Fall der Entführung von Herrn Maduro in die USA verhalten sollte?

Dürr: Ich finde das einen ganz zentralen Punkt: Die USA sind ja nicht mal eine Sekunde auf die Idee gekommen, in Brüssel oder Berlin anzurufen vorher. Die Frage ist: Warum spielen hier Europa und Deutschland keinerlei Rolle? Weil wir geopolitisch mittlerweile an Gewicht verloren haben. Und ich bin zutiefst der Überzeugung, dass unser Einfluss international und geopolitisch unmittelbar mit unserer wirtschaftlichen Stärke verbunden ist. Das heißt, wer in Brüssel immer mehr Regeln beschließt oder in Berlin immer mehr Bürokratie beschließt, der sorgt dafür, dass wir auf internationaler Bühne jeden Tag irrelevanter werden. Wir müssen wirtschaftlich wieder Muskeln aufbauen, um geopolitisch wieder ernster genommen zu werden.  Stellen Sie sich eine Sekunde vor, Europa und Deutschland wäre der innovativste, der wachstumsstärkste Raum der Welt. Dann wären wir absolut relevant.

Frage: Das ist aber nicht die Antwort auf meine Frage, was jetzt zu tun ist.

Dürr: Ich weine Herrn Maduro keine einzige Träne nach. Das war ein linker sozialistischer Diktator, der Menschenleben auf dem Gewissen hat. Gleichzeitig mache ich mir natürlich Sorgen, wenn Herr Trump jetzt über Grönland redet, keine Frage. Aber die Frage ist ja nicht, welche moralische Auffassung habe ich zu Donald Trump? Sondern die Frage ist doch, was kann Deutschland tun, um wieder eine relevante Stimme zu sein?

Frage: Aber es wird ja eine Reaktion erwartet, auch seitens der USA: Zustimmung? Kritik? Eigene Forderungen?

Dürr: Meine Forderung im konkreten Fall ist sehr klar. Ich will, genau wie die Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionelle aus Venezuela, Frau Machado, dass in Venezuela jetzt freie Wahlen abgehalten werden. Das muss der nächste Schritt zum Übergang in eine Demokratie sein. Maduro ist weg und das heißt, das venezuelische Volk muss jetzt über seine zukünftige Führung entscheiden können. Das ist aus meiner Sicht die klare politische, auch ethische Maßgabe, die jetzt der Westen und auch Europa einnehmen muss.

Zu den Diskussionen um die Erbschaftssteuer erklärt der FDP-Bundesvorsitzende Christian Dürr:

„In Deutschland müssen sich täglich immer mehr Menschen Sorgen um ihre Jobs machen, und immer mehr Familien sind in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Dass in dieser längsten wirtschaftlichen Schwächephase in der Geschichte der Bundesrepublik sogar noch über Steuererhöhungen und immer mehr Umverteilung diskutiert wird, ist eine Kampfansage gegen Aufschwung und Wachstum.
Einer der letzten Standortvorteile in Deutschland sind die vielen familiengeführten mittelständischen Unternehmen, die von der Bundesregierung ohnehin gerade im Stich gelassen werden.
Die Erbschaftssteuer trifft nicht die Großkonzerne sondern die vielen Familienunternehmen in unserem Land. Anstatt diese noch stärker zu belasten, sollte die Erbschaftssteuer auf in Unternehmen gebundene Werte grundsätzlich hinterfragt werden. Denn dort ist die Erbschaftssteuer faktisch eine Besteuerung von Arbeitsplätzen. In der Realität würde die Besteuerung von Firmenübergaben auf die kommende Generation bedeuten, dass sich der Inhaber verschulden oder Anteile verkaufen muss, um die Steuer zu bezahlen. Beides gefährdet Jobs.
Würde die Koalition genauso engagiert über Entlastungen streiten wie über Steuererhöhungen, wäre vielen Betrieben und Familien bereits geholfen.“

Beim bildungspolitischen Event am 4. Dezember 2026 mit Timm Kern, MdL Baden-Württemberg und Bildungspolitischer Sprecher der FDP, wurden zentrale Weichenstellungen für das baden-württembergische Schulsystem diskutiert. Im Mittelpunkt standen dabei Fragen der Durchlässigkeit, der Vergleichbarkeit von Abschlüssen, der Lehrkräfteversorgung und der besseren Unterstützung von Kindern, deren Eltern sie nur begrenzt fördern können.

Die Anwesenden sprachen sich gemeinsam mit Timm Kern für ein durchlässiges, mehrzügiges Bildungssystem aus, das für jede Schülerin und jeden Schüler eine passende Schulart bereithält und zugleich den Wechsel zwischen den Zügen ermöglicht, wenn sich Bildungswege oder Begabungen verändern. Zudem wurde die weitere Vereinheitlichung und Vergleichbarkeit von Abschlüssen in Deutschland thematisiert, insbesondere durch die Bereitstellung gemeinsamer Aufgaben-Pools, um Leistungsanforderungen transparenter und bundesweit besser vergleichbar zu machen.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Lehrkräftemangel in Baden-Württemberg. Für Heidelberg wurde deutlich, dass dieser vor allem durch unzureichende Finanzierung verschärft wird, während in vielen anderen Regionen des Landes sowohl fehlende finanzielle Mittel als auch die geringe Attraktivität der Standorte zu großen Versorgungslücken führen. In diesem Zusammenhang wurde auch die Notwendigkeit einer verbindlichen Grundschulempfehlung betont – nicht nur für das Gymnasium, sondern für alle weiterführenden Schularten, um Schülerinnen und Schüler möglichst passgenau zu fördern.

Schließlich wurde die Bedeutung gut ausgebauter Ganztagsschulen hervorgehoben, die außerschulische Angebote wie Sport oder musikalische Bildung sinnvoll integrieren. Gerade dort, wo Eltern ihre Kinder nicht ausreichend unterstützen können, sollen solche Ganztagsangebote Bildungs- und Teilhabechancen sichern. Abschließend sagte Timm Kern zu, die besprochenen Anliegen in seinem politischen Wirken weiter voranzutreiben und erneut nach Heidelberg zu kommen, um über die weiteren Entwicklungen und Fortschritte zu berichten und mit allen Beteiligten (wie z.B. Eltern, Lehrer, Schulleitern, verantwortliche Behörden) im Gespräch zu bleiben. 

Zur Diskussion über Beitrags- und Steuererhöhungen zur Finanzierung des beschlossenen Rentenpaketes erklärt der FDP-Bundesvorsitzende Christian Dürr:

„Das Rentenpaket ist ungerecht, unehrlich und ökonomisch kurzsichtig. Wenn Friedrich Merz, Lars Klingbeil und Bärbel Bas nun überall beteuern, es brauche eine große Rentenreform, dann muss man sich fragen: In welcher Welt haben sie in den letzten Wochen gelebt? Das falsche Rentenpaket hätte niemals beschlossen werden dürfen, denn es war bereits von vornherein klar, dass die Menschen künftig Schuldenberge und höhere Belastungen schultern müssen, nur um ein politisches Versprechen im Hier und Jetzt zu erfüllen – und nur, um die Kanzlerschaft von Friedrich nicht weiter zu gefährden.

Dass in der Koalition jetzt auf die Rentenkommission gehofft wird, zeigt, wie planlos Union und SPD in Wahrheit sind. Dringend notwendige Reformen werden dadurch nur weiter verschleppt. Mit der Aktienrente und dem Altersvorsorgedepot liegen längst zukunftsfähige Konzepte auf dem Tisch. Gerade Menschen mit niedrigen Einkommen würden mit mehr kapitalgedeckten Elementen in der Altersvorsorge im Alter unabhängiger sein als mit dem immer instabileren Umlagesystem.“

Anlässlich der Abstimmung über das Rentenpaket im Deutschen Bundestag gab der FDP-Bundesvorsitzende Christian Dürr folgendes Statement ab:

„Dass mit dem Rentenpaket ein Gesetz beschlossen wird, von dem der Bundeskanzler selbst sagt, dass nichts dafür spricht, zeigt, dass die Koalition von Friedrich Merz heute gescheitert ist. Im Prinzip dient dieses Rentenpaket nur noch dem Machterhalt, aber nicht dazu, das Land besser oder die Renten sicher zu machen. Es richtet sich direkt gegen die junge Generation. Und wir sehen immer mehr: Das Einzige, was die Koalition von Friedrich Merz noch zusammenhält, sind immer neue Schulden.

Was man jetzt eigentlich bräuchte – gerade bei der Rente – wären echte, mutige Reformen, zum Beispiel die Aktienrente. Echte Kapitaldeckung, damit junge Menschen wissen, dass sie fürs Alter ansparen. Damit Ältere wissen, dass die Rente wirklich sicher ist – und nicht ein leeres Versprechen einer Koalition von Friedrich Merz.

Eigentlich muss sich die junge Generation in Deutschland heute doppelt bestraft fühlen. Gerade erst ist der Bundeshaushalt durch den Bundestag gegangen: Ein Drittel dessen, was Schwarz-Rot ausgibt, wird aus Schulden finanziert – also dem Geld zukünftiger Generationen. Und heute das Rentenpaket, das sich ebenfalls direkt gegen diejenigen richtet, die hart arbeiten. Wer als junger Mensch heute in Deutschland hart arbeitet, weiß, dass er faktisch keinen Anspruch mehr auf die Rente hat, aber sehr, sehr viel Geld einzahlen muss.

Und heute wird auch ein Wehrdienstgesetz im Bundestag beschlossen – und auch das richtet sich gegen die junge Generation. Die Regierung hat in Wahrheit gar keinen Plan. Im Gegenteil: Sie sagt sogar, dass es in Zukunft ein Losverfahren geben soll – also so etwas wie „Die Tribute von Panem“ direkt gegen die junge Generation. Dabei wären auch hier mutige Reformen notwendig. Wie wäre es denn, gerade beim Thema Musterung, wenn wir uns nicht nur auf die jungen Männer konzentrieren, sondern auch junge Frauen gleichberechtigt berücksichtigen? Auch hier haben wir eine Koalition, die den Status quo mit viel Geld zu verwalten versucht – aber das endet.

Friedrich Merz hat als Kandidat für das Amt des Bundeskanzlers im Wahlkampf sehr, sehr viel versprochen. Jetzt, als Bundeskanzler im Amt, macht er fast immer das Gegenteil dessen, was er angekündigt hat. Von den anderen Parteien im Bundestag wusste man, wo sie stehen – links oder rechts. Man wusste, dass es manchen eigentlich nur darum geht, die Probleme für ihre extremistischen Positionen zu missbrauchen. Aber es gab die Hoffnung, dass die CDU und auch die CSU echte Reformen anstrengen. Das ist mit dem heutigen Tag endgültig erledigt. Die Regierung von Friedrich Merz ist mit dieser Abstimmung gescheitert.

Das Scheitern einer Regierung kommt nicht erst dadurch, dass sie tatsächlich auseinanderbricht, sondern dann, wenn das, was sie entscheidet, ausschließlich einem Ziel dient – nämlich dem eigenen Machterhalt. Und das passiert mit dem heutigen Tag.“

Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Dürr gab der „Neue Zürcher Zeitung“ folgendes Interview. Die Fragen stellte Elke Bodderas.

Frage: Herr Dürr, seit Mittwoch ist die EU sich einig in der Frage, ob der Staat ein Auge auf die Chats in den Internetdiensten haben sollte. Demnach wird es künftig eine freiwillige Chatkontrolle der privaten Anbieter geben. Ein vernünftiger Kompromiss?

Dürr: Man muss sich immer wieder klar machen, um was es hier geht. Es geht um das Briefgeheimnis im Digitalen. Also darf mindestens der Anbieter – vielleicht sogar zusammen mit dem Staat – jeden Brief öffnen. Dazu kann es in einem Rechtsstaat nur ein klares Nein geben. Man kann nicht anlasslos, also ohne jeden Verdacht, jeden Brief öffnen dürfen. Die Chatkontrolle muss endgültig ad acta gelegt werden. Es ist ein falsches Instrument und passt nicht zu einem Rechtsstaat.

Frage: Geplant ist auch eine neue EU-Agentur zur Unterstützung der nationalen Strafverfolgungsbehörden und Europol.

Dürr: Wie wäre es, wenn wir stattdessen mehr Ermittler einstellen, die dann gegen kriminelle Vereinigungen und ihre widerlichen Verbrechen vorgehen? Wir versuchen manchmal Verbrechen einfach nur durch neue Behörden und neue Verwaltungsabläufe zu bekämpfen. Es braucht Ermittler, die kriminelle Netzwerke aufspüren und dort nachforschen, wo ein konkreter Verdacht vorliegt. Stattdessen versuchen wir die Nadel im Heuhaufen zu finden, indem wir den Heuhaufen grösser machen.

Frage: Steht zu befürchten, dass die freiwilligen Scans auch auf andere Delikte ausgeweitet werden?

Dürr: Die Wahrscheinlichkeit ist gross. Wenn ein Instrument da ist, steigt die Versuchung, es auch für andere Delikte zu nutzen. Es ist zu befürchten, dass dann auch Argumente gefunden werden, Chats zu durchsuchen, wenn es nur darum geht, wie sich jemand um sein Parkticket drückt. Es ist eine Schwelle, die man in einem Rechtsstaat nicht überschreiten darf.

Frage: Die EU will die Kinderpornografie in den Griff bekommen und setzt dazu auf freiwillige Mitarbeit der Internetdienste. Ist das nicht akzeptabel?

Dürr: Hier fehlt mir die Frage, ob die Instrumente, die zur Diskussion stehen, überhaupt funktionieren. Es gibt doch rechtsstaatliche Alternativen zur Chatkontrolle. Zum Beispiel das sogenannte Quick-Freeze-Verfahren, mit dem Daten bei einem Konkreten Verdacht mit richterlichem Beschluss gespeichert und dann eingesehen werden können. Hier steht an erster Stelle der konkrete Verdacht. Wenn gegen jeden Bürger ohne jeden Anlass jederzeit ermittelt werden kann, dann ist das eines Rechtsstaats nicht würdig.

Frage: Die FDP will jetzt die Partei der radikalen Mitte sein. Was genau meinen Sie damit?

Dürr: Die politische Landschaft in Deutschland teilt sich momentan in zwei Lager auf. Auf der einen Seite Union, SPD und Grüne als Status-Quo-Lager, die es derzeit nicht schaffen, Reformen voranzubringen und auf der anderen die Extremisten von links und rechts. Auch die FDP war lange Teil des Status-quo-Lagers. Da wird jetzt bei der Rente gestritten, ob ein Niveau von 47 oder 48 Prozent eingehalten wird, also ob es schneller oder langsamer schlimmer wird  Von dieser Reformmüdigkeit profitieren die Extremisten an den Rändern links und rechts. Die Menschen in Deutschland aber wollen Veränderung, 82 Prozent sind für Reformen, auch wenn sie unpopulär sind. Die FDP macht hier ein drittes politisches Lager auf. Wir wollen den Reformmut der Menschen aufgreifen.

Frage:Sie wollen künftig weniger Karrierepolitiker in der Partei, sondern mehr frische Köpfe aus Wirtschaft und Gesellschaft. Gibt es die denn überhaupt noch? Will heute überhaupt noch jemand Politiker werden?

Dürr: Zum Glück ja. Zum Beispiel in der Führungsspitze der FDP mit Nicole Büttner als erfolgreiche KI-Unternehmerin oder Susanne Seehofer, die eine erfolgreiche Karriere in der Wirtschaft hingelegt hat, um nur zwei Namen zu nennen. Ich könnte die Liste erweitern. Das zeigt, dass es ganz viele gibt, die Lust haben, in einer Partei mitzuarbeiten, die für Reform und Veränderung steht.

Zu den Ergebnissen des Koalitionsausschusses erklärt der FDP-Bundesvorsitzende Christian Dürr:

„Wenn das Rentenpaket wirklich unverändert vom Bundestag beschlossen wird, dann ist ein für allemal klar: Mit Union und SPD wird das Jahr genau so enden, wie es begonnen hat – ohne eine einzige Reform, um aus der Krise zu kommen. Es ist kaum zu glauben, dass das Ergebnis eines wochenlangen Streits ein weiterer Prüfauftrag sein soll – zu Themen, die schon unzählige Male aufgeschrieben wurden und immer wieder ohne Konsequenzen in den Schubladen verschwanden. Für die getäuschten Unionswähler ist das nur bitter – für die hart arbeitenden Menschen, die um ihre Arbeitsplätze bangen müssen, jedoch eine immer größere Belastung. Die Regierung schuldet den Bürgerinnen und Bürgern, besonders den Jüngeren, eine Kurskorrektur. Deutschland braucht jetzt solide Finanzpolitik und echte Reformen, damit kommende Generationen in einem Land der Chancen leben können. Die Regierung muss auf dieses milliardenschwere Rentenpaket verzichten, das lediglich den Status quo zementiert. Damit wäre der Einstieg in die Aktienrente bereits finanzierbar. Eine Abkehr vom Status quo und die notwendigen Reformen für ein gerechtes und solides Rentensystem wird es nur mit den Freien Demokraten geben.“

Anlässlich der FDP-Demonstration gegen den geplanten Bundeshaushalt 2026 hielt der FDP-Bundesvorsitzende Christian Dürr folgende Rede:

„Vielen Dank, dass Ihr da seid. Dies ist ein historischer Platz – der Platz des 18. März. Und am 18. März dieses Jahres wurde auch im Deutschen Bundestag mit Mehrheit die Schuldenbremse geschreddert. Und das ist der Grund, warum wir heute hier sind. Ich freue mich über die Anwesenheit von Reiner Holznagel vom Bund der Steuerzahler, von Ulrich Stoll von der Stiftung Familienunternehmen, und freue mich, dass ihr alle da seid zu dieser Demo gegen einen Bundeshaushalt, der komplett in die falsche Richtung geht.

‚Die Zeit, in der wir auf Kosten der jungen Generation Sozialpolitik machen, muss aufhören. Ich stehe auch persönlich dafür ein, dass die junge Generation nicht überfordert wird mit Aufgaben, für die ihre Eltern bisher nicht genügend Vorsorge getroffen haben.‘ Das sind nicht meine Worte – das sind die Worte des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz am Tag seiner Regierungserklärung. Und genau diese Worte werden mit seiner Aussprache heute zum Bundeshaushalt 2026 geschreddert. Dieser Haushalt geht komplett in die falsche Richtung – und vor allem gegen die junge Generation, liebe Freundinnen und Freunde.

Ihr seht es schon hier auf dem Schild: ‚Lieber Herr Merz, wenn schon in den Sozialismus, dann stilecht.‘ [Zeigt auf einen Trabbi mit FDP-Plakat] Das haben [FDP-Generalsekretärin] Nicole Büttner und ich gerade getan. Und ich bin dankbar, dass die Julis heute auch hier sind. Denn es geht um die junge Generation. Der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl hat einmal gesagt: ‚Ab 50 Prozent Staatsquote beginnt der Sozialismus in Deutschland.‘ Wenn es nach Helmut Kohl ginge, wäre Friedrich Merz tatsächlich der erste sozialistische Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Denn mit diesem Haushalt wird die Staatsquote in Deutschland dauerhaft über 50 Prozent steigen. Und das geht komplett in die falsche Richtung. Das darf nicht passieren.

Ich fordere diejenigen auf, die sich zurzeit noch als Rebellen im Deutschen Bundestag – auch in der Unionsfraktion – geben, diesem Bundeshaushalt am Freitag nicht zuzustimmen. Denn er ist falsch. Er geht gegen die jungen Menschen in Deutschland, liebe Freundinnen und Freunde.

Jeder dritte Euro in diesem Haushalt muss über Schulden finanziert werden, weil die neue Bundesregierung nicht in der Lage ist, mit dem hart erarbeiteten Geld der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler auszukommen. Man muss sich vorstellen, was zurzeit geplant ist: Für diese Wahlperiode sind 850 Milliarden Euro neue Schulden vorgesehen. 850 Milliarden Euro neue Schulden allein in dieser Wahlperiode! Der Bund steht zurzeit mit 1.007 Milliarden Euro in der Kreide. Das heißt: Allein in dieser Wahlperiode wird Friedrich Merz 50 Prozent der Schulden machen, die in der gesamten Geschichte unseres Landes entstanden sind. Das zeigt: So darf man keine Politik machen.

Das geht gegen die junge Generation. Denn das Versprechen des deutschen Bundeskanzlers war ein anderes. Die schwarz-rote Bundesregierung unter Friedrich Merz und Lars Klingbeil hat versprochen, Schulden nur vorübergehend aufzunehmen, um die Infrastruktur wieder fitzumachen. Nicole Büttner und ich standen gerade schon wieder im Stau, weil es zu viele Baustellen gibt, die nicht vorangehen – weder in Berlin noch bei mir in Niedersachsen, noch in den anderen Bundesländern. Wenn ich nach Berlin fahre, stehe ich regelmäßig eine Stunde lang vor der Weser, weil die Weserbrücke auf der A1 nicht fertiggestellt wird. Das ist die Realität in Deutschland – und das Gegenteil dessen, was versprochen wurde. Nicht einmal die Hälfte dieser Schulden wird in Infrastruktur investiert. Das Geld wird im Sozialstaat versenkt. Das hat nichts mit sozialer Gerechtigkeit zu tun. Das ist gegen die junge Generation in Deutschland. Und deswegen stehen wir heute vor dem Brandenburger Tor.

Das, was dort geplant ist, würde bedeuten, dass im Jahr 2029 – wenn diese Bundesregierung spätestens endet – jeder achte Euro im Haushalt nicht für die Zukunft ausgegeben wird: nicht für Bildung, nicht für Infrastruktur. Jeder achte Euro müsste dann allein für Zinsen ausgegeben werden. Für dieses Schuldenpaket, das heute zur Debatte steht. Und das ist einfach falsch. Deswegen steht die FDP hier. Denn uns ist klar: Zurzeit haben wir keine Stimme im Deutschen Bundestag. Und ich sage es ganz offen: Heute ist nicht nur der erste Tag, an dem ich einen Trabant aus sozialistischen Zeiten gefahren bin. Heute ist auch der erste Tag, an dem ich zu einer Demonstration aufgerufen habe. Solange wir nicht im Deutschen Bundestag sind, werden wir die einzigen sein, die in Deutschland gegen diese Schuldenmacherei die Stimme erheben. Denn im Bundestag sitzen entweder diejenigen, die diesem Paket zugestimmt haben, oder diejenigen, die keine Vorschläge haben, wie dieses Land besser regiert werden kann.

Die AfD – ich sage das an dieser Stelle – fordert ein Rentenniveau von 70 Prozent. Zurzeit wird über 47 oder 48 Prozent diskutiert. Auch das, was bei der Rente passiert – Bärbel Bas hat das gestern gesagt – soll komplett aus dem Staatshaushalt finanziert werden. Das zahlen am Ende die jungen Menschen. Nichts geht voran. Wir haben Stillstand. Versprochen wurden Schulden und echte Reformpolitik. Heute haben wir nur noch Schulden, weil dieser Bundeskanzler für Reformen offensichtlich nicht zu haben ist – oder nicht die Kraft dafür hat.

Und deswegen: Friedrich Merz, kehren Sie um – ob in Ihrer Staatskarosse oder im Trabbi! So darf man in Deutschland nicht Politik machen. […]

Meine Sorge ist, dass mit diesem Bundeshaushalt nach dem angekündigten Herbst der Reformen nun der Winter der Enttäuschungen eintritt. Aber ich sage es auch deutlich: Die Freien Demokraten sind keine pessimistische Partei. Wir werden nicht miesepetrig am Rand stehen, sondern jeden einzelnen Tag bessere Vorschläge für unser Land machen. Verdammt nochmal: Deutschland hat mehr verdient, als einfach nur in die Taschen derer zu greifen, die jeden Tag sehr hart arbeiten. Und ich sage es auch in Richtung des Generalsekretärs der CDU: Nein, die Menschen in Deutschland sind nicht faul. Sie haben Lust auf Arbeit, sie haben Lust aufs Ranklotzen. Aber dafür muss man sie auch lassen. Ja – Leistung muss sich lohnen in diesem Land. Darum geht es in Wahrheit.

Deswegen freue ich mich auf die Auseinandersetzung – in einer Situation, in der die FDP schon einmal war. Wir haben schon einmal bewiesen, dass man auch von der Straße wieder zurück in den Deutschen Bundestag kommen kann. Unser Ziel ist natürlich die Rückkehr. Aber das ist kein Selbstzweck. Wir machen das aus einem Grund: weil wir unser Land lieben, weil wir wollen, dass dieses Land durchstartet, weil wir wollen, dass dieses Land Chancen ergreift. Das, was wir zurzeit sehen, sind Schulden – keine Chancen. Schulden sind das Gegenteil von Chancen und Chancengerechtigkeit. Und deswegen stehen die Freien Demokraten heute vor dem Brandenburger Tor.

Ich empfehle allen, die in den kommenden Tagen Verantwortung tragen und über jeden einzelnen Plan jedes Bundesministers und jeder Bundesministerin entscheiden, sich immer wieder diese Frage zu stellen: Treffe ich eine Entscheidung für die Zukunft unseres Landes? Oder treffe ich in Wahrheit keine Entscheidung? Drücke ich mich vor Reformen und greife nur in die Taschen der Menschen? Es muss leichter sein, zu arbeiten. Es muss leichter sein, ranzuklotzen. Es muss leichter sein, zu gründen. Es muss leichter sein, fürs Alter vorzusorgen. Deswegen stehen wir als FDP heute vor dem Brandenburger Tor, liebe Freundinnen und Freunde.

Mein Wunsch ist, dass man sich auf einen anderen Kurs besinnt. Für den Bundeshaushalt 2026 habe ich am Freitag nicht die größte Hoffnung, dass er keine Mehrheit bekommt – das ist mir klar. Aber wir werden immer wieder daran erinnern, dass man in eine andere Richtung gehen kann: mit mehr Wohlstand und mehr Wachstum. […]

Die Wirtschaftsweisen sagen, dass Deutschlands Wirtschaft nicht wachsen wird. Und das Mini-Wachstum, das wir im kommenden Jahr erleben werden, entsteht nur durch zusätzliche Staatsausgaben. Das ist – auch in Richtung der Kollegen von den Grünen – das Gegenteil von Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit ist nicht nur eine ökologische Frage – sie ist auch eine Frage der finanziellen Stabilität im Interesse der jungen Menschen in Deutschland.

Mein Appell, lieber Herr Merz: Kehren Sie um! Gehen Sie in eine andere Richtung! Wir wollen keine Staatsquote über 50 Prozent. Helmut Kohl – ja, er hatte seine Fehler – aber in diesem Punkt hatte er völlig recht: Ab 50 Prozent droht eine Republik, die sich in eine andere Richtung entwickelt. Eine Republik, die nicht auf den Einzelnen setzt, seine Leistungsfähigkeit und seine Stärke, sondern darauf, dass alles mit dem Geld der Zukunft zugeschüttet wird. Aber die Zukunft muss man sich als Bundesregierung hart erarbeiten.

Die Freien Demokraten werden auch in der außerparlamentarischen Opposition genau diese harte Arbeit leisten. Darauf freue ich mich. Wir sind Optimisten. Wir haben Lust, dieses Land zu gestalten. Und genau das zeigen wir hier und heute vor dem Brandenburger Tor, in der Nähe des Reichstagsgebäudes.

Und Herr Merz – ich würde mich freuen, wenn Sie diese Worte gleich bei Ihrer Aussprache zum Bundeshaushalt 2026 im Kopf haben: Entscheiden Sie sich für die Zukunft – und gegen Schulden!“

Zur Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), wonach Deutschland die höchsten Sozialausgaben in Europa hat, bei Bildung und Investitionen aber Schlusslicht ist, erklärt der FDP-Bundesvorsitzende Christian Dürr:

„Wir sind mittlerweile Europameister darin, immer mehr Milliarden in den überholten Strukturen unseres ineffizienten Sozialstaates zu versenken, während wir bei Bildung und Investitionen am Ende der Tabelle stehen. Wer weiter daran festhalten will, über 40 Prozent des Geldes der Steuerzahler in immer marodere Renten- und Sozialsysteme zu stecken, während die Ausgaben für Bildung, Forschung und Digitalisierung auf der Strecke bleiben, gefährdet mutwillig unsere Zukunftsfähigkeit.

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dürfen nicht weiterhin die Last für die Ambitionslosigkeit der aktuellen Regierung tragen. Eine radikale Reform des Sozialstaats ist unausweichlich, denn die steigenden Lohnnebenkosten nehmen ein erdrückendes Ausmaß an. Neben der Aktienrente brauchen wir auch eine kapitalgedeckte Kranken- und Pflegeversicherung mit individuellen Eigentumsrechten. Der erste Schritt wäre schnell getan: Würde die Regierung auf das irrsinnige, milliardenschwere Rentenpaket verzichten, wäre der Einstieg in die Aktienrente bereits finanziert. Die Bundesregierung braucht endlich den Mut, die Sozialausgaben zu begrenzen, um das Aufstiegsversprechen durch Bildung wieder zur staatlichen Kernaufgabe zu machen.“